Mittwoch, Dezember 22, 2010

Blutspende auf bengalisch

Heute war Blutspende Tag in Kandern. Ich bin hingegangen und das ganze dauerte mit Registrierung etwas mehr als eine Stunde. Alles war sehr gut vorbereitet, sauber und professionell. Die ganze Zeit wurde ich sehr zuvorkommend behandelt. Als ich so da lag und wartete bis die 500ml Blut rausliefen, spazierten meine Gedanken zurück nach Chittagong, Bangladesh wahrscheinlich war es im Jahr 2000. Riku, damals Schüler der 7 Klasse hatte Dengue Fieber. Sein Blut kam aus seinen Poren raus. Es gab keine verfügbares Blut für ihn da es so etwas wie eine Blut Bank eigentlich nicht gibt. Nachdem wir die Bluttypen verglichen hatten stellte sich heraus das Riku und ich die selbe Blutgruppe haben. Das war so gegen 22:30 Uhr. So machte ich mich mit Mridul (einem Mitarbeiter) auf den Weg in die Klinik. Diese war in einer dunklen, dreckigen Seitenstraße. Beim laufen beobachtete ich meine Umgebung sehr wachsam denn jeden Moment rechnete ich damit das jemand mit einem Messer hinter einer Mauer hervorgesprungen kommt. Nichts passierte! Als wir an der “Klinik” ankamen (eigentlich nur ein Zimmer) wurde schnell ein Laufbursche zur “Apotheke” geschickt um den Blutbeutel zu besorgen. In der Zwischenzeit wurde meine Blutgruppe festgestellt und überprüft ob meine und Riku’s Blut sich auch vertragen. Alles ok. Die 18 Fragen die ich heute beantworten musste wurden mir nicht vorgelegt, auch kein Doktor untersuchte mich oder mein Blut. Der Doktor heute ließ mich fast nicht spenden da ich kürzlich in N.K. war. Meine Haut wurde schnell desinfiziert und die Nadel eingeführt. Ich erinnere mich das ich leise betete das aus meiner “guten Tat” keine schlimmen Folgen (Entzündung, Aids etc.) für meine eigene Gesundheit entstehen. Nachdem der Beutel voll war ruhte ich mich noch für 5 Minuten aus. Ehe ich den Beutel aber in die Hand bekam musste ich noch 130 Taka für das Blut abnehmen, und 500 Taka für den Beutel bezahlen. (alles zusammen etwa 10$) Heute mußte ich nichts bezahlen erhielt aber eine schöne Tasse und ein tolles, leckeres Abendessen mit allem drum und dran. Neben tollen teuren Obstsäften gab es auch noch Kaffee und Stollen hinterher. Zurück nach Bangladesh, wo man mir meinen Blut Beutel überreichte und ich den nun mit beiden Händen vorsichtig hielt. Der Beutel schwabblig, das Blut darin warm und rot. Wir gingen zurück an die Straße wo wir eine Rickshaw zu dem Krankenhaus hin mieteten wo Riku lag. Die Fahrt dahin bei angenehmen Nacht Temperaturen dauerte etwa 5 Minuten. Ich erinnere mich das es mir alles sehr ironisch vorkam kurz vor Mitternacht mit meinem eigenen Blut durch die spärlich beleuchteten Straßen Chittagong's zu fahren. An Riku's Bett angekommen bekam er nach drängen von mir relativ schnell mein Blut und wurde dann nach 2 Tagen oder so entlassen. Riku studiert heute an der Dhaka Universität. Ich schreibe das nicht um mich selber hervorzuheben aber um die Kontraste zwischen heute und damals hervorzuheben. Die waren wirklich Welten voneinander entfernt. Aber alles was heute zählt ist das es Riku gut geht.